NMN & NAD+

NMN in der Forschung: Was Studien zeigen und was offen ist

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Lesen von NMN-Studien zuerst prüfen: Mensch oder Maus, wie viele Teilnehmer, wie lange, wer hat finanziert.
  • Ein steigender NAD-Spiegel im Blut ist ein Messwert, kein Beleg für einen gesundheitlichen Nutzen.
  • Langzeitdaten fehlen: Die längste veröffentlichte Humanstudie lief zwölf Wochen.
  • Sieben der neun zentralen Humanstudien haben erkennbare Industrie-Beteiligung, Finanzierung gehört zur Einordnung.
NMN in der Forschung: Stationen von Zellmodell und Tiermodell zu Humanstudien, Langzeitdaten offen
Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist über NMN beim Menschen erforscht?
  2. Welche Erkenntnisse stammen aus Tier- und Zellstudien?
  3. Was ist zur Sicherheit von NMN bekannt?
  4. Wo liegen die Grenzen der aktuellen Studienlage?
  5. Woran wird derzeit geforscht?

Kurz gesagt: NMN wird seit gut einem Jahrzehnt erforscht, seit 2020 auch am Menschen. Die zentralen veröffentlichten Humanstudien umfassen jeweils 10 bis 80 Teilnehmer, dauerten höchstens zwölf Wochen und prüften vor allem die Verträglichkeit und den NAD-Spiegel im Blut. Berichtet wird gute Verträglichkeit bei 100 bis 2.000 mg pro Tag. Ein gesundheitlicher Nutzen für gesunde Menschen ist nicht belegt.

Hinweis zum Status: NMN ist in der EU als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) eingestuft und derzeit nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen (Einzelheiten: Ist NMN in Deutschland legal?, Gesamtüberblick: NMN in Deutschland). Dieser Beitrag berichtet über veröffentlichte Studien. Er ist keine Verzehr- und keine Gesundheitsempfehlung.

Zeitstrahl der NMN-Forschung: Mausstudien 2011 und 2016, erste Humanstudie 2020, erstes RCT in Science 2021, größte RCT mit 80 Teilnehmern 2023, EFSA-Sicherheitsbewertung 2026.

Was ist über NMN beim Menschen erforscht?

Beim Menschen ist NMN bisher in kleinen, kurzen klinischen Studien untersucht worden. Sie prüften in erster Linie zwei Dinge: ob die Einnahme vertragen wird und ob der NAD-Spiegel im Blut steigt. Was NMN als Molekül ist und wie es mit NAD⁺ zusammenhängt, erklärt der Grundlagenartikel Was ist NMN (Nicotinamid-Mononukleotid)?

Die Tabelle fasst die zentralen veröffentlichten Humanstudien zusammen, sortiert nach Erscheinungsjahr.

Jahr Studie Teilnehmer Dosis pro Tag Dauer Schwerpunkt
2020 Irie et al., Endocrine Journal 10 gesunde Männer 100 bis 500 mg, einmalig 5 Stunden Beobachtung Sicherheit, Stoffwechselprodukte
2021 Yoshino et al., Science prädiabetische Frauen 250 mg 10 Wochen Insulinsensitivität der Muskulatur
2021 Liao et al., JISSN 48 Amateurläufer 300, 600 oder 1.200 mg 6 Wochen aerobe Kapazität unter Training
2022 Huang, Frontiers in Aging 66 Erwachsene, 40 bis 65 Jahre 300 mg 60 Tage NAD/NADH im Serum, Verträglichkeit
2022 Okabe et al., Frontiers in Nutrition 30 gesunde Erwachsene 250 mg 12 Wochen Sicherheit, NAD⁺ im Blut
2022 Fukamizu et al., Scientific Reports 31 gesunde Erwachsene 1.250 mg 4 Wochen Sicherheit bei hoher Dosis
2022 Igarashi et al., npj Aging gesunde ältere Männer 250 mg 6 bis 12 Wochen NAD⁺ im Blut, Muskelfunktion
2023 Yi et al., GeroScience 80 Erwachsene mittleren Alters 300, 600 oder 900 mg 60 Tage NAD im Blut, Gehstrecke, Sicherheit
2023 Pencina et al., JCEM 30 Erwachsene ab 45 Jahren 2.000 mg (MIB-626) 28 Tage Sicherheit, NAD, Stoffwechselwerte

Drei Muster ziehen sich durch diese Studien. Erstens: Der NAD-Spiegel im Blut stieg unter NMN in allen Untersuchungen, die ihn gemessen haben, teils dosisabhängig mit einem Plateau ab etwa 600 mg. Zweitens: Einzelne Studien berichten Verbesserungen bei einzelnen Funktionswerten, etwa der Insulinsensitivität der Muskulatur, der Gehstrecke im Sechs-Minuten-Test oder den ventilatorischen Schwellen beim Training. Drittens: Diese Funktionsbefunde stammen jeweils aus einer einzelnen Studie mit einer bestimmten Gruppe und wurden bisher nicht unabhängig wiederholt.

Welche Erkenntnisse stammen aus Tier- und Zellstudien?

Der größte Teil des veröffentlichten Wissens über NMN stammt aus Zellkulturen und Mausmodellen, und dort sind die Ergebnisse deutlich weitreichender als beim Menschen. Genau das macht die Einordnung so wichtig.

Die Forschung begann sichtbar zu werden, als NMN 2011 bei Mäusen mit diät- und altersbedingtem Typ-2-Diabetes die NAD⁺-Spiegel wiederherstellte und die Insulinsensitivität verbesserte (Yoshino et al., Cell Metabolism, 2011). 2013 zeigte eine Arbeit aus dem Labor von David Sinclair, dass der altersbedingte NAD⁺-Abfall in Zellkernen alter Mäuse die Kommunikation zwischen Zellkern und Mitochondrien stört und sich dieser Zustand durch Anheben des NAD⁺-Spiegels umkehren ließ (Gomes et al., Cell, 2013). 2016 folgte die bekannteste Tierstudie: Mäuse erhielten zwölf Monate lang NMN über das Trinkwasser, und die Autoren berichteten, dass mehrere alterstypische Veränderungen milder ausfielen, ohne erkennbare Toxizität (Mills et al., Cell Metabolism, 2016). 2019 wurde mit Slc12a8 ein Transporter beschrieben, der NMN im Dünndarm von Mäusen aufnimmt (Grozio et al., Nature Metabolism, 2019).

Drei Ebenen der Evidenz: Zellmodelle zeigen Mechanismen, Tiermodelle Effekte im Organismus Maus, Humanstudien Verträglichkeit und NAD-Spiegel im Blut. Keine Ebene ersetzt die nächste.

Für die Einordnung gilt eine harte Grenze: Befunde aus Zellkulturen zeigen Mechanismen, Befunde aus Mäusen zeigen Effekte im Organismus Maus. Keines von beidem belegt eine Wirkung beim Menschen. Die Geschichte der Altersforschung kennt viele Substanzen, die in Mäusen beeindruckten und in Humanstudien keinen vergleichbaren Effekt zeigten.

Was ist zur Sicherheit von NMN bekannt?

In den veröffentlichten Humanstudien wurde NMN in Dosierungen von 100 bis 2.000 mg pro Tag über Zeiträume von bis zu zwölf Wochen geprüft und dabei als gut verträglich beschrieben. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Zwei Studien hatten die Sicherheit ausdrücklich als Hauptfrage. Eine japanische Arbeit prüfte 1.250 mg täglich über vier Wochen bei 31 gesunden Erwachsenen und fand keine sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten (Fukamizu et al., 2022). Eine US-Studie prüfte 2.000 mg einer mikrokristallinen β-NMN-Form über 28 Tage bei übergewichtigen Erwachsenen ab 45 Jahren, ebenfalls ohne schwerwiegende Ereignisse (Pencina et al., 2023). Die längste veröffentlichte Einnahmedauer liegt bei zwölf Wochen mit 250 mg täglich (Okabe et al., 2022).

Am 13. Mai 2026 hat die EFSA zudem eine positive Sicherheitsbewertung für das β-NMN eines Antragstellers im EU-Novel-Food-Verfahren veröffentlicht, mit einer sicheren Aufnahmemenge von bis zu 300 mg pro Tag für Erwachsene, ausgenommen Schwangere und Stillende (Antrag 2023-17850, doi:10.2903/j.efsa.2026.10007). Das ist eine Bewertung innerhalb des Zulassungsverfahrens, keine Zulassung; wie dieses Verfahren abläuft, erklärt der Beitrag Novel Food und EFSA.

Offen bleibt die Langzeitfrage: Kein veröffentlichter Versuch am Menschen lief länger als zwölf Wochen. Wie sich eine Einnahme über Jahre auswirkt, ist nicht untersucht. Diese Angaben beschreiben die Studienlage. Sie sind keine Verzehr- und keine Gesundheitsempfehlung.

Wo liegen die Grenzen der aktuellen Studienlage?

Die wichtigste Grenze ist die Aussagekraft: Die Humanstudien sind klein, kurz und messen überwiegend Biomarker. Vier Punkte gehören zu jeder ehrlichen Einordnung.

Erstens misst der Großteil der Studien den NAD-Spiegel im Blut. Das ist ein Messwert, der sich verändern lässt. Ob aus dieser Veränderung ein gesundheitlicher Nutzen folgt, ist eine andere Frage, und sie ist unbeantwortet.

Zweitens sind die Gruppen klein und sehr unterschiedlich: zehn gesunde Männer, 48 Amateurläufer, prädiabetische Frauen, ältere Männer. Ergebnisse aus einer solchen Gruppe lassen sich nicht auf andere Menschen übertragen. Einzelne Funktionsbefunde waren zudem nur schwach ausgeprägt; die Autoren der Studie zur Muskelfunktion älterer Männer schreiben selbst, dass ihre Befunde in größeren Studien validiert werden müssen.

Drittens die Finanzierung: Bei sieben der neun Humanstudien in der Tabelle ist eine Beteiligung von Herstellern erkennbar, als Autoren aus Unternehmen oder als Sponsor. Die Studie von 2022 zu Uthever stammt vollständig vom Rohstoffhersteller EffePharm; was hinter diesem Rohstoff steckt, beschreibt der Beitrag Uthever NMN. Die Science-Studie von 2021 war dagegen öffentlich gefördert (NIH). Herstellerfinanzierung macht eine Studie nicht falsch, gehört aber zur Bewertung dazu.

Viertens die große Frage: Verlängert NMN das Leben? Beim Menschen ist das nicht belegt und bisher nicht einmal untersucht, denn keine Humanstudie hatte die Lebensdauer als Endpunkt. Auch die zwölfmonatige Mausstudie von 2016 maß Alterungsparameter, nicht die Lebensspanne. Aussagen wie „NMN kehrt die Alterung um“ haben in den veröffentlichten Daten keine Grundlage.

Woran wird derzeit geforscht?

An den Lücken, die die bisherigen Studien offenlassen. Auf ClinicalTrials.gov waren am 10. August 2026 insgesamt 32 interventionelle Studien zu Nicotinamid-Mononukleotid registriert, davon 13 abgeschlossen und 11 aktiv rekrutierend.

Offen bleiben vor allem drei Fragen: die Sicherheit über lange Zeiträume, klinisch relevante Endpunkte jenseits des NAD-Spiegels und die Frage, welche der Tierbefunde sich beim Menschen überhaupt wiederfinden. Erst wenn unabhängig finanzierte, größere und längere Studien dieselben Effekte zeigen, wird aus einzelnen Befunden ein belastbares Bild.

Quellen und Studien
Primärquellen, zuletzt geprüft am 10. August 2026.

  • Irie J, Inagaki E, Fujita M, et al. Effect of oral administration of nicotinamide mononucleotide on clinical parameters and nicotinamide metabolite levels in healthy Japanese men. Endocrine Journal. 2020;67(2):153-160. doi:10.1507/endocrj.EJ19-0313
  • Yoshino M, Yoshino J, Kayser BD, et al. Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women. Science. 2021;372(6547):1224-1229. doi:10.1126/science.abe9985
  • Liao B, Zhao Y, Wang D, et al. Nicotinamide mononucleotide supplementation enhances aerobic capacity in amateur runners: a randomized, double-blind study. Journal of the International Society of Sports Nutrition. 2021;18(1):54. doi:10.1186/s12970-021-00442-4
  • Huang H. A multicentre, randomised, double blind, parallel design, placebo controlled study to evaluate the efficacy and safety of Uthever (NMN supplement) in middle aged and older adults. Frontiers in Aging. 2022;3:851698. doi:10.3389/fragi.2022.851698
  • Okabe K, Yaku K, Uchida Y, et al. Oral administration of nicotinamide mononucleotide is safe and efficiently increases blood NAD+ levels in healthy subjects. Frontiers in Nutrition. 2022;9:868640. doi:10.3389/fnut.2022.868640
  • Fukamizu Y, Uchida Y, Shigekawa A, et al. Safety evaluation of β-nicotinamide mononucleotide oral administration in healthy adult men and women. Scientific Reports. 2022;12(1):14442. doi:10.1038/s41598-022-18272-y
  • Igarashi M, Nakagawa-Nagahama Y, Miura M, et al. Chronic nicotinamide mononucleotide supplementation elevates blood nicotinamide adenine dinucleotide levels and alters muscle function in healthy older men. npj Aging. 2022;8(1):5. doi:10.1038/s41514-022-00084-z
  • Yi L, Maier AB, Tao R, et al. The efficacy and safety of β-nicotinamide mononucleotide (NMN) supplementation in healthy middle-aged adults. GeroScience. 2023;45(1):29-43. doi:10.1007/s11357-022-00705-1
  • Pencina KM, Valderrabano R, Wipper B, et al. Nicotinamide adenine dinucleotide augmentation in overweight or obese middle-aged and older adults: a physiologic study. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. 2023;108(8):1968-1980. doi:10.1210/clinem/dgad027
  • Yoshino J, Mills KF, Yoon MJ, Imai S. Nicotinamide mononucleotide, a key NAD+ intermediate, treats the pathophysiology of diet- and age-induced diabetes in mice. Cell Metabolism. 2011;14(4):528-536. doi:10.1016/j.cmet.2011.08.014
  • Gomes AP, Price NL, Ling AJ, et al. Declining NAD+ induces a pseudohypoxic state disrupting nuclear-mitochondrial communication during aging. Cell. 2013;155(7):1624-1638. doi:10.1016/j.cell.2013.11.037
  • Mills KF, Yoshida S, Stein LR, et al. Long-term administration of nicotinamide mononucleotide mitigates age-associated physiological decline in mice. Cell Metabolism. 2016;24(6):795-806. doi:10.1016/j.cmet.2016.09.013
  • Grozio A, Mills KF, Yoshino J, et al. Slc12a8 is a nicotinamide mononucleotide transporter. Nature Metabolism. 2019;1(1):47-57. doi:10.1038/s42255-018-0009-4
  • EFSA NDA Panel. Safety of beta-nicotinamide mononucleotide (β-NMN) pursuant to Regulation (EU) 2015/2283 and the bioavailability of nicotinamide from this source in the context of Directive 2002/46/EC. EFSA Journal. 2026. doi:10.2903/j.efsa.2026.10007
  • ClinicalTrials.gov, Registersuche nach „nicotinamide mononucleotide“, interventionelle Studien, abgerufen am 10. August 2026. clinicaltrials.gov

Dieser Artikel hat informativen Charakter und gibt den Wissensstand zum Aktualisierungsdatum wieder. Er stellt keine gesundheitsbezogene Aussage im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und keine Verzehrempfehlung dar.

Häufige Fragen zur NMN-Studienlage

Ja, seit 2020. Die zentralen veröffentlichten Humanstudien umfassen jeweils 10 bis 80 Teilnehmer, Zeiträume von einer Einzeldosis bis zwölf Wochen und Dosierungen von 100 bis 2.000 mg pro Tag. Untersucht wurden vor allem die Verträglichkeit und der NAD-Spiegel im Blut, einzelne Studien zusätzlich Funktionswerte wie Insulinsensitivität oder Gehstrecke.

In den veröffentlichten Humanstudien wurde NMN in Dosierungen von 100 bis 2.000 mg pro Tag über bis zu zwölf Wochen als gut verträglich beschrieben, ohne schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Langzeitdaten über Monate oder Jahre existieren nicht. Die EFSA hat im Mai 2026 eine positive Sicherheitsbewertung im Zulassungsverfahren veröffentlicht; eine Zulassung ist das nicht. Das beschreibt die Studienlage, keine Verzehrempfehlung.

Beim Menschen ist das nicht belegt und bisher nicht untersucht: Keine Humanstudie hatte die Lebensdauer als Endpunkt. Auch die bekannte Mausstudie von 2016 maß Alterungsparameter über zwölf Monate, nicht die Lebensspanne. Aussagen wie „NMN kehrt die Alterung um“ haben in den veröffentlichten Daten keine Grundlage.

Am häufigsten der NAD-Spiegel im Blut und Sicherheitsparameter wie Laborwerte und unerwünschte Ereignisse. Einzelne Studien maßen zusätzlich Funktionswerte, etwa Insulinsensitivität der Muskulatur, Gehstrecke im Sechs-Minuten-Test oder ventilatorische Schwellen. Der NAD-Spiegel ist dabei ein Biomarker, also ein Messwert, kein Nachweis eines gesundheitlichen Nutzens.

Überwiegend nein. Bei sieben der neun im Beitrag zusammengestellten Humanstudien ist eine Beteiligung von Herstellern erkennbar, als Autoren aus Unternehmen oder als Sponsor. Die Science-Studie von 2021 war öffentlich gefördert (NIH). Herstellerfinanzierung macht eine Studie nicht falsch, gehört aber zur Einordnung dazu.